Fachkonzept Sport

Was kann ein Schüler von 12 Jahren Schulsport erwarten? Auf jeden Fall mehr als ausschließlich Vorgemachtes nachzumachen! Sport ist wesentlich vielschichtiger. Der Sportwissenschaftler Dietrich Kurz geht von einer „Mehrperspektivität“ des Schulsports aus.

Demzufolge kommen für den Schüler im Sinne nachhaltigen Lernens drei Perspektiven des Sports in Frage: Die Sichtweise des Sports als aktiver Sportler, in der Schule und über die Schule hinaus, die Sichtweise als kritischer Zuschauer und die Sichtweise als Instruktor.

Als aktiver Sportler soll er erfahren, wie ein längerfristiger Trainingsprozess die Leistungsfähigkeit steigern kann, er soll jedoch auch erkennen (und begründen können!) warum sich die eigene Leistungsfähigkeit nicht beliebig steigern lässt. Diese Sichtweise beinhaltet auch die Einsicht, dass unter dem Aspekt des Gesundheitssports vor allem im Bereich des Ausdauer- und des Krafttrainings eine optimale Leistungsentwicklung gar nicht erstrebenswert ist, dass aber in diesem Bereich wirklich jeder Möglichkeiten der Leistungssteigerung hat. Das sollte Motivation für ein eigenes lebenslanges Sporttreiben sein.

Als kritischer Zuschauer sollte der Schüler in der Lage sein, aufgrund seiner im Unterricht erworbenen theoretischen Kenntnisse, z.B. Spielsituationen in den Sportspielen nachvollziehen sowie in gewissem Maße Bewegungsabläufe sowohl in den Mannschafts- als auch in den Individualsportarten qualitativ beurteilen zu können. Daneben sollte auch eine kritische Reflektion des Leistungssports aber auch des kommerziellen Freizeitsports und seiner Begleitumstände stattfinden.

Schließlich sollte der Schüler Freunde, später Kollegen oder die eigenen Kinder zum Sporttreiben animieren können. Er sollte z.B. ein Basketball- oder Volleyballspiel auf einem öffentlichen Platz mit Gleichgesinnten so organisieren können, dass Freizeitsportler von ganz unterschiedlichem sportlichen Niveau freudvoll miteinander ihre Freizeit verbringen können. Dazu ist es unter Umständen notwendig die üblichen starren Wettkampfregeln der Situation angemessen umzugestalten zu können.

 

Wortwolke Sport

Dies deckt sich natürlich mit den im Lehrplan Sport des bayerischen Kultusministeriums geforderten vier Lernbereichen der sportlichen Grundbildung nämlich Gesundheit und Fitness, Fairness und Kooperation, Freizeit und Umwelt sowie Leisten, Gestalten und Spielen.

Betrachten wir zum Abschluss ein Bespiel: Laufen kann in ganz unterschiedlicher Weise Sinn machen: Als sportliche Herausforderung in der Leichtathletik, mit dem Ziel eine kurze oder lange Strecke möglichst schnell zurückzulegen, als instrumentelle Technik in vielen anderen Sportarten, aber auch als gesundheitlich bedeutsame Praxis, sowie als Quelle eindrücklicher Körpererfahrungen auch in einer Gruppe Gleichgesinnter. Nach Kurz soll Laufen „im Sportunterricht in einer Weise thematisiert und vermittelt werden, dass die Schüler nicht nur lernen, besser zu laufen, dass sie also schnellere, ausdauerndere, geschicktere Läufer werden, sondern sie sollen im Sportunterricht am Inhalt Laufen eine Förderung erfahren, die für sie selbst auch dann einen Wert hat, wenn sie außerhalb des Sportunterrichts und nach der Schulzeit überhaupt nicht laufen, ja möglicherweise auch überhaupt keinen Sport treiben.“ Nämlich dann, wenn sie etwa einen 100m-Lauf im Fernsehen verfolgen und z.B. qualitative Bewegungsmerkmale, wie Dynamik und Harmonie dieser Bewegung, beurteilen können.

Sport am Gymnasium darf also nicht nur als „Leibeserziehung“ im engeren Sinne verstanden werden. Gerade dieses Fach bietet die Möglichkeit im Sinne der Nachhaltigkeit weit über die Schule hinaus und über alle Altersstufen hinweg in das künftige Leben hineinzuwirken.

Grundwissen im Fach Sport der Jahrgangsstufen 5 - 10 (gem. ISB-Bayern)