Fachkonzept Geschichte

Welchen Stellenwert haben Geschichte und Geschichtsunterricht? Geschichte hat im öffentlichen Leben einen hohen Stellenwert, wenn man auf die Präsenz historischer Stoffe in den Medien, die Verkaufszahlen historischer Literatur und die Würdigung wichtiger Gedenktage blickt. Trotzdem meinen manche Zeitgenossen, dass die Beschäftigung mit Geschichte überflüssig sei. Aber genau das Gegenteil ist richtig: Wenn wir nicht wissen, was in der Vergangenheit geschehen ist, können wir kein angemessenes Verständnis für die Gegenwart entwickeln.

Der Blick zurück ist zugleich auch ein Blick in die Zukunft, denn nur durch das Verstehen der Vergangenheit können junge Menschen Maßstäbe für die Gestaltung der Zukunft erlangen. Wir sind auch der festen Überzeugung, dass Geschichte etwas mit unserem Leben zu tun hat und nicht nur den „Paradegäulen und Eckstehern der Geschichte“ (aus Georg Büchners berühmter Rede) vorbehalten werden sollte.

Im Geschichtsunterricht soll man gelernt haben, auf die Welt mit historischen Augen zu schauen, um sie tiefer zu verstehen und auch um politisch in unserem Staat mitgestalten zu können. Das Fach Geschichte vermittelt einen Orientierungsrahmen zur Geschichte der Menschheit von der Steinzeit bis zur Gegenwart (Jahrgangsstufen 6-10). Das geschieht im sogenannten „ersten Durchgang durch die Geschichte“, der chronologisch erfolgt. In der Qualifikationsphase ist Geschichte erneut durchgängiges Pflichtfach. Hier wird in einem „zweiten Durchgang durch die Geschichte“ anhand exemplarischer Themen die Herausbildung eines vertieften historischen Bewusstseins angestoßen.

Wie unterscheidet sich der Geschichtsunterricht in Unter-, Mittel- und Oberstufe? Mit dem Phänomen „Zeit“ beschäftigen sich die Schüler zum ersten Mal in der sechsten Klasse. In den Jahrgangsstufen 6 bis 10 ist Anschaulichkeit stets ein wichtiges Prinzip. Die Lebendigkeit der historischen Inhalte sowie die Vielfalt der Formen ihrer Vermittlung im Unterricht sprechen die Bedürfnisse der Jugendlichen besonders an. Als Beispiele können Gruppenarbeit, Projektarbeit und Lernzirkel genannt werden. Insbesondere kommt dem Einsatz neuer Medien an unserer Schule eine bedeutende Rolle auch im Geschichtsunterricht zu. Teilweise wird auch „E-Learning“ praktiziert. Jedes unserer mit interaktiven Whiteboards ausgestatteten Klassenzimmer ist für die Wiedergabe von audiovisuellem Quellenmaterial genauso gerüstet wie für die Arbeit mit digitalem Kartenmaterial (z.B. Schullizenz Putzger Historischer Weltatlas).

In der Oberstufe sind historische Längs- und Querschnitte, Vergleiche und problemorientierte Fallstudien typisch. Ab Jahrgangsstufe 10 werden Geschichte und Sozialkunde als Kombifach unterrichtet. In der Qualifikationsphase haben alle Schüler Geschichte zweistündig und Sozialkunde einstündig.

Die Wahl eines W- oder P-Seminars mit Leitfach Geschichte eröffnet den Schülern die Möglichkeit sich wissenschafts- bzw.- praxisnah mit ergänzenden oder vertiefenden Themen zu beschäftigen.

Kann man in Geschichte Abitur machen? Das Abitur kann entweder im Kombifach Geschichte-Sozialkunde oder auch nur in Geschichte abgelegt werden. Dies gilt sowohl für die schriftliche als auch für die mündliche Abiturprüfung (Kolloquium).

Ist Geschichte ein „Lernfach“ oder ein „Denkfach“? Das Fach Geschichte hat sich in den letzten dreißig Jahren vom „Lernfach“ zum „Denkfach“ entwickelt. Geschichte soll nicht darin bestehen riesige Stoffmengen oder gar nur Ereignisse verbunden mit Jahreszahlen einfach wiederzugeben. Eigenes Recherchieren, das Befragen von Eltern, Großeltern oder Verwandten und Bekannten fördert die Eigenaktivität der Schüler von der 6. Klasse an. Die Oberstufenbibliothek an unserer Schule bietet einen hervorragenden Schatz an Quellen und Darstellungen, der noch dazu ständig erweitert wird. Allein schon methodisch sichere Quellenanalyse und Quelleninterpretation, abgestuft nach Altersstufen, macht Geschichte zum „Denkfach“. Freilich geht es nicht ohne ein Grundgerüst an historischen Fachbegriffen, was der Lehrplan „Grundwissen“ nennt. Nur so können geschichtliche Entwicklungen in ihren komplexen Zusammenhängen verstanden werden.

Welche Rolle spielt Grundwissen? Die Nachhaltigkeit geschichtlichen Lernens wird durch stetes Wiederholen, Vertiefen und Verknüpfen im Unterricht und in Form von Hausaufgaben (z.B. Führung eines Vokabelheftes mit geschichtlichen Grundbegriffen) gesichert. Grundwissen umfasst im Fach Geschichte neben Kenntnissen und Fertigkeiten auch Haltungen. In gleicher Weise werden historische Methodenkompetenzen über die Jahrgangsstufen hinweg vermittelt und erweitert. Den Schülern wird klargemacht, dass der „zweite Durchgang durch die Geschichte“ keine Rekapitulation der ersten darstellt, sondern sich auf oberstufengemäßen Niveau abläuft und exemplarisch erfolgt. Grundwissen wird dann vorausgesetzt.

Was bedeutet „Methodenkompetenz“? Zur Stärkung der fachlichen Grundlagen werden fachspezifische Methoden vermittelt und eingeübt. In erster Linie geht es um umfangreiche Kompetenzen in der Analyse von verschiedenen Arten von historischen Quellen. Diese Methodenkompetenz umfasst auch den sinnvollen Umgang mit modernen Medien und schließt die angemessene Nutzung moderner Präsentationsformen mit ein.

Findet Geschichtsunterricht nur im Klassenzimmer statt? Ein wesentliches Prinzip des Geschichtsunterrichts am Gymnasium Münchberg lautet seit Jahren „Geschichte vor Ort“. So werden an unserer Schule überdurchschnittlich oft und regelmäßig außerschulische Lernorte (z.B. Museen, Archive und Gedenkstätten) aufgesucht. Insbesondere in der Oberstufe werden Kontakte zu Hochschulen (vor allem die oberfränkischen Universitäten Bayreuth und Bamberg) sowie wissenschaftlichen Einrichtungen hergestellt. Das Stadtarchiv Münchberg dient in verschiedenen Jahrgangsstufen der selbständigen Aneignung historischer Sachverhalte. Wenn es die Terminkalender unserer Politiker zulassen, werden Wahlkreisabgeordnete zur politischen Diskussion eingeladen oder in Berlin bzw. München von Schülergruppen besucht. Zusätzliche Angebote sind die Teilnahme an Wettbewerben (z.B. Geschichtswettbewerb des Bundespräsidenten, „Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn“ oder „Erinnerungszeichen Bayern“), die von der Bundeswehr durchgeführte Simulation „POL&IS“ oder der Wahlkurs „Politik und Zeitgeschichte“. Auch historische Zeitzeugen werden häufig ins Klassenzimmer eingeladen. Auch historische Projekttage werden durchgeführt, 2016 „Bayerns Verfassung wird 70“ „demnächst zum Lutherjahr 2017 „500 Jahre Reformation“.

Jahrgang

Beispiele für   Exkursionsziele

6

-   „Lebendige Steinzeit“ oder ähnliches

7

-   Die mittelalterliche Stadt: Bamberg oder Nürnberg

8

-   Absolutismus: Bayreuth (Eremitage, Neues Schloss, Markgräfliches Opernhaus oder Würzburger Residenz)

-   Industrialisierung: Nürnberg (Museum für Industriekultur)

9

-   Nationalsozialismus: Nürnberg (Dokuzentrum), KZ-Gedenkstätte  Flossenbürg

10

-   DDR/ Wiedervereinigung: Mödlareuth (auch Workshops)

Q11

-   Nationalsozialismus: KZ-Gedenkstätte Buchenwald (Weimarfahrt)

Durch lokal- und regionalgeschichtliche Exkursionen soll zudem das Interesse für die eigene Region geweckt werden.

Das vorliegende „Fachkonzept Geschichte“ ist selbstverständlich den amtlichen Vorgaben, insbesondere dem „Lehrplan für das Gymnasium in Bayern“, verpflichtet. Gedankliche Übernahmen sind daher gewollt.