P-Seminar Journalismus

Vom Dampfradio zum digitalen Studio

P-Seminar Journalismus besuchte die Studios des Bayerischen Rundfunks und des Fernsehens in Nürnberg und informierte sich über die beruflichen Chancen.

Schon mal „Dampf-Radio“ gehört? Mit dieser spöttischen Bezeichnung meint man die Anfänge des Radios: altmodische Röhrenempfänger, Zugseile mit Drehkondensatoren und dem Magischem Auge zur Einstellung der Frequenz. Von den Sendestudios, die in besseren Rumpelkammern untergebracht waren, gar nicht erst zu reden.

Das „Studio Nürnberg“  (seit 1990: „Studio Franken“)  des Bayerischen Rundfunks entstammt der  „Dampfradio“-Epoche. 1949 zieht es in die Räume des Pferdelazaretts der Wehrmacht an der Wallensteinerstraße, das die Amerikaner nach dem Krieg als Panzerwerkstatt und  Jazzclub benutzt haben. Auf dem umgebenden Parkgelände werden Baracken für die Mitarbeiter und der Funkturm  errichtet. Am 3. Juni 1949 geht das "Studio Nürnberg" erstmals auf Sendung, zunächst über Mittelwelle, doch schon im Juli 1949 über UKW. Damit ist der BR der erste UKW-Sender Europas. Der Vorteil: Die Hör- und Empfangsqualität verbesserte sich enorm.  Der früh sich einstellende Erfolg des Nürnberger Senders hat auch mit später legendären TV-Entertainern zu tun,  die beim Radio ihre ersten Gehversuche starten - Peter Frankenfeld oder Hans-Joachim Kulenkampff.  Aber auch das  hauseigene Musik-Ensemble, das Kurt- Edelhagen-Orchester, hat seinen Anteil.

Einst Pferdelazarett, heute Hightech

Einen Tag vor der Weihnachtsferien, am  22. Dezember, konnte sich das P-Seminar Journalismus  (Q 12) über die heutige Nürnberger Sendeanstalt von Radio und Fernsehen  informieren.  Die Gruppe hatte das Glück,  von einem „alter Hasen“ des Sendebetriebs durch die Studios, Betriebstechnik und Redaktionsräume geführt zu werden  -   Rainer Kretschmann, Medien-Profi,  jahrzehntelang Moderator von „Franken aktuell“  und des „Musikalischen Tafel-Confects“, einer der beliebtesten Sendungen des Bayerischen Rundfunks, die 2 200 Mal über den Äther ging.  

Die Nürnberger Sendeanstalt ist heute ein umfangreiches Gebäude-Ensemble im Grünen, bestehend aus den historischen Bauten aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs, dem 2010 dazu gekommenen „Aktualitätszentrum“  (wie es sich nennt) und die  ARGE Rundfunk-Betriebstechnik.  Angegliedert ist dem Neubau die ARD.ZDF-Medienakademie. Über 140 Festangestellte und eine große Anzahl freier Mitarbeiter sind beim BR in Nürnberg beschäftigt. Sie produzieren im Jahr rund 3 000 Stunden Radio- und Fernseh-Programm, in höchster Qualität und mit modernster  Technologie.  Doch die Einrichtungen aus der Pionierzeit des Radios sind noch erhalten und werden durchaus noch genutzt. Etwa das alte Aufnahmestudio mit  seinen dicken, schallgepolsterten Wänden.  Oder das Hörspiel-Studio mit einem Tunnel im Hintergrund, den man für geräuschdämmende Effekte nutzen kann.  Erschlagend ist der Blick ins BR-Archiv. 55 000 Mitschnitte von Wort- und Musikbeiträgen  auf alten Magnetbändern und DAT-Kassetten sind hier in den feinsäuberlich in Regalen eingeordnet, zum Teil schon digitalisiert und als „Audiofiles" auf einen Server gespeichert.

Wie modern und innovativ sich der Nürnberger Sender heute präsentiert, konnten die Teilnehmer des P-Seminars bei der Besichtigung feststellen. Der BR bietet nicht nur seine traditionellen Formate –  Bayern 1, 2, 3, BR-Klassik, BR aktuell, Bayern plus – sondern auch eine Fülle von Regional-Sendungen, z. B. eigene Nachrichten-Blöcke, „Heimatspiegel“, „Frankenschau aktuell“, „Volksmusik aus Franken“ oder „Mittags in Mainfranken“.  Speziell an jungen Hörer richtet sich das BR-Digitalradio mit multimedialen Zusatzdiensten und die Sendung „puls“. „Musik, die kein anderer Sender spielt. Mitmachradio über Smartphone-App. Das Neueste aus Politik und Popkultur, aus Bayern und der Welt“, so beschreiben die Macher ihren Ansatz und fahren dann fort: „Puls setzt auf Typen. Puls-Moderatoren sind keine glattgebügelten Abziehbilder, sondern Träumer und Rampensäue, Nerds und Draufgänger.“

Empfehlenswert: Praktikum beim BR

Einen dieser Typen haben die Besucher aus Münchberg kennen gelernt:  Matthias Rüd.  Nach der Beendigung seiner Nachrichten-Sendung stand er in seiner Sprecher-Kabine den Schülerinnen und Schülern Rede und Antwort.

Der Hörfunk-Journalist, der nach dem Abitur Theaterwissenschaften studierte, ist einer der typischen Quereinsteiger. Nach einem Praktikum bei Studio Franken war er von der Medien-Arbeit fasziniert und  ist geblieben.  Aus seiner Sicht ist es empfehlenswert, bei  Radio, TV, Online oder auch bei der Abteilung Presse & Marketing zu hospitieren oder zu praktizieren. Ob damit das Interesse für das   Berufsfeld  Journalismus geweckt werde, werde sich zeigen.

Margret und Wolfgang Schoberth

Bilder:

 

Altbau des Bayerischen Rundfunks

Historische Anlage: Blick auf die alten Gebäude von Studio Franken in einer Parkanlage an der Wallensteinerstraße.  2010 ist das Bau-Ensemble durch moderne  Studio-, Technik- und Redaktionsräume erweitert worden. Auch das Bayerische Fernsehen, Studio Franken, befindet sich auf dem Gelände.

 

Aufnahmestudio des Bayerischen Rundfunks

Aufnahmestudio 1:  Des P-Seminar Journalismus (Q12)  im schallgedämpften Aufnahmestudio des Bayerischen Rundfunks in Nürnberg.  Durch die Gebäude von Radio und Fernsehen führte Rainer Kretschmann (links im Bild), über viele Jahrzehnte einer der populärsten Radio-Journalisten von Studio Franken. Unter anderem moderierte er die Kultsendung „Musikalisches Tafel-Confect“.

 

Archiv des Bayerischen Rundfunks

BR-Archiv: Rainer Kretschmann,  Urgestein von Studio Franken und Moderator unzähliger Hörfunk-Sendungen, zeigt den Schülern im BR-Archiv ein Magnetband von 1950.

 

Nachrichtenstudio des Bayerischen Rundfunks

BR Nachrichtenstudio:  Einige Teilnehmer des P-Seminars Journalismus folgen aufmerksam der Life-Sendung von Matthias Rüd am Kassettenrecorder, den Rainer Kretschmann hinhält. Der Moderator selbst befindet sich in seiner Kabine rechts von der Gruppe.

Fotos: Wolfgang Schoberth