Trainingslager-2014

Trainingslager des Sportadditums der Q 11 im Bundesleistungszentrum Kienbaum

"Wir lassen uns wat einfallen!" - Das ist der erste Satz, den wir aus der ehemaligen DDR-Kaderschmiede und jetzigem Bundesleistungszentrum Kienbaum, 30 Km östlich von Berlin idyllisch am Liebenberger See gelegen, hören.

Die Anreise hat ihre Tücken: Bleibt doch unser Bus ca. 15 Km vor der Sportschule liegen. Auf einen Anruf hin bekommen wir oben genannten Satz zu hören. Zehn Minuten später holen uns zwei Kleinbusse ab und fahren uns direkt bis zur Unterkunft. Es ist die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, die uns in dieser Woche immer wieder begegnet und die den Aufenthalt so angenehm macht.

 Trainingsprogramm der Schwimmer

Kurz und knackig: das Sprinttrainingsprogramm der Schwimmer am zweiten Tag

 

14.30 Uhr, mit nur leichter Verspätung gehen wir die erste Leichtathletik Trainingseinheit an, gefolgt von Schwimmen. Leichte Ermüdungserscheinungen? Klar, aber jetzt gibt es Abendessen - die Stimmung steigt!

Bastian Werner schwimmt die 50m Freistil in 29 Sekunden

 

20.00 Uhr: Krafttraining. Hantelstangen von Eleiko, Schweden - der Mercedes unter den Hantelstangen. Der Lehrgangsleiter macht ein wenig mit. Wieder große Müdigkeit...


Jessica Zeitler in perfekter Ausgangsstellung bei der Übung "Umsetzen ab 2. Zug "

 

Bei Alina Ritter kann man die explosive Muskelarbeit erkennen,
die diese Übung gerade für Leichtathleten so wertvoll macht!

Maximilian Krauß bei derselben Übung. Jessica (hinten links) verfolgt die Bewegung genau
und erkennt, dass bei Maximilian die Hantel zu weit vom Körper weg ist. Rechts im
Hintergrund bereitet sich Luca Petsch auf einen schweren Versuch mit 100 Kg
im Bankdrücken vor. Maximalkrafttraining, halt.

 

Die Endposition der Übung. Bastian hat die 60 Kg umgesetzt, gut gemacht!
Die Ellbogen könnten noch ein bisschen weiter oben sein, die Hantel
sollte auf den vorderen Deltamuskeln liegen. Schön auch das Abfangen
der Hantel, zu erkennen an den leicht gebeugten Beinen.

Der zweite Tag beginnt mit Frühstück um 7.30 Uhr, die Stimmung lässt noch Raum nach oben, aber es geht. Nur die Mädels sind noch ein wenig wortkarg.

9.00 Uhr, Schwimmhalle. Die Arme sind noch schwer von gestern. Das Programm beinhaltet jedoch u.a. 12x50m Sprint, aufgeteilt auf drei Serien á 4 Läufen. 90s Pause zwischen den Läufen, 5 min Pause zwischen den Serien (siehe Bild oben). Die Stimmung ist klar gegen die Leichtathleten gerichtet, die hier noch pausieren und lediglich das Ausschwimmen als Rekom-Einheit mitmachen. Derweil haben sich 2 Triathleten vom Schleswig-Holsteinischen Landesverband zu uns gesellt und spulen ihr Programm runter.

10.30 Uhr, Leichtathletik. Sprintkoordination, Kugelstoßen, Schnelligkeitsausdauer - endlich Genugtuung für die Schwimmer. Nach dem dritten Tempolauf kann man das Laktat in den Blutgefäßen der Sportler förmlich riechen. Ein kreidebleicher Maximilian Krauß, der es sich hier richtig gegeben hat, sucht vorsichtshalber die Büsche jenseits der Laufbahn auf ...

Auf den Spuren von Usain Bolt: Unsere Leichtathleten laufen sich auf einer
blauen Tartanbahn ein. Auf so einer lief der bekannte Sprinter
im Jahre 2009 bei den Weltmeisterschaften im Berliner Olympiastadion
seinen Weltrekord von 9,58s auf 100m.

Beschleunigungstraining mit der Kontrastmethode: Nach einem Lauf
mit dem Sprintschlitten (hier perfekt demonstriert von Jessica Zeitler,
man beachte die Hüft-, Bein- und Fußstreckung, den Kniehub und die Armarbeit),
folgt  einer ohne Zusatzbelastung. Absolviert werden insgesamt sechs Läufe.
Ziemlich anstrengend!

Bei der gleichen Übung nun Maximilian Engelhardt, allerdings liegt
noch eine 10 Kg Scheibe mehr auf dem Schlitten. Hüftstreckung und
Kniehub sind noch nicht ganz so gut wie bei Jessica. Der Lehrgangsleiter
sieht das Problem auch bei der Dehnfähigkeit von Maximilians
ischiocruraler Muskulatur.

Tony Weber beim Kugelstoßen mit verkürzter Angleitbewegung. Sieht gut aus!

So sieht "Rekom" (von Regeneration und Kompensation) aus: Gemütliches Laufen
der Schwimmer im Bereich von weniger als 70% der maximalen Herzfrequenz,
während die Leichtathleten Vollgas geben. Des einen Freud´, des anderen Leid!

Das obere Bild zeigt von links Judith Oberländer und Laura Rüger; das mittlere Bild
zeigt Andreas Rödel, Yannick Schneider und Bastian Werner; auf dem unteren Bild
ist Luca Petsch zu sehen.

Mittagessen. Der Kugelstoß-A-Kader läuft ein, David Storl, zweifacher Weltmeister, ist mit dabei. Wir beobachten den Inhalt der Teller genau, auch die Häufigkeit des Wiederanstellens am Buffet. Große Basketballer, Volleyballerinnen und Volleyballer kommen. Unsere Mädels beschließen eine Änderung der Sitzordnung, vor allem die, die mit dem Rücken zum Eingang und zum Buffet sitzen.

Eine weitläufige Anlage: Auf dem Weg zum Mittagessen sind 1,3 Km zurückzulegen!

 

Ohne Fleisch kein Preis? Die unglaubliche Vielfalt am Buffet des
Bundesleistungszentrums lässt diese Möglichkeit zu, bietet
aber auch andere Alternativen!

Zwei Stunden Pause, dann Volleyball, die Stimmung ist sehr gut, fast euphorisch!

Laura Rüger bei der Annahme eines Aufschlags beim Volleyball. Sie steht zu nahe am Ball,
hat die Arme am Körper statt weggestreckt. Wie alle Teilnehmer am Trainingslager
hat sie große Fortschritte gemacht.

Danach schon wieder Abendessen. Der Lehrgangsleiter weitet die anschließende Theoriestunde (Besprechung der beim Training gemachten Videos) auf zwei aus, kurzweilig, natürlich.

Mädels und Jungs verschwinden kurz vor 22.00 Uhr auf den Zimmern. Stille, nahezu.

So läuft das.


Über die vier Tage von Montagnachmittag bis Freitagmittag werden insgesamt 16 (!) Trainingseinheiten absolviert. Dadurch entsteht ein kumulativer Belastungsreiz durch den die Ermüdung immer weiter aufgestockt wird. Es geht an die Grenzen. Nach dem Trainingslager in einer kurzen Erholungsphase werden dann die Speicher wieder aufgefüllt und zwar über das ursprünglich vorhandene Niveau hinaus. Das ist die Superkompensation, der Trainingseffekt, den sich die Sportler wünschen. Vieles, was die Schülerinnen und Schüler im Theorieunterricht in diesem Schuljahr hörten, wird jetzt noch klarer, die Zusammenhänge einleuchtender.

Die oben erwähnten A-Kader-Kugelstoßer sind nach Auskunft ihres Trainers in diesem Jahr bereits die 14. Woche in Kienbaum.

Wir sehen hautnah unter welchen Bedingungen die Topsportler trainieren und können diese exzellenten Anlagen ebenfalls nutzen. Wer kann schon mal auf einer geraden 100m-Bahn in der Halle (!) laufen und bekommt über eine installierte Zeitmeßanlage seine Zwischenzeiten alle 10m von einem Computer ausgedruckt? Und dabei trainieren die besten deutschen Hürdenläufer noch direkt neben uns!

So ein Trainingslager bringt die Sporttheorie und die Praxis zusammen, rundet das Ganze ab. Dazu bekommt man einen Einblick in das Training, ja die Lebensweise von den Spitzensportlern.

Sehr empfehlenswert auch für nachfolgende Addita!

Friedbert Walther, Lehrgangsleiter

Das Abschiedsfoto vor der Kantine. Alle sind sich einig: Das müsste man wiederholen!
(Erste Reihe von links: Niklas Hübler, Maximilian Engelhardt; zweite Reihe von links:
Bastian Werner, Tony Weber, Andreas Rödel, Maximilian Krauß; dritte Reihe von links:
Alina Ritter, Judith Oberländer, Laura Rüger, Jessica Zeitler; hintere Reihe von links:
Yannick Schneider, Luca Petsch, Lehrgangsleiter StD Friedbert Walther.
Nicht auf dem Bild weil Fotografin: OStRin Petra Phlippeau.